Events als Live Content Marketing

Content Marketing müssen keine Texte, Videos oder Bilder sein. Von Unternehmen ausgerichtete Konferenzen oder Kongresse können als eine Art Live Content Marketing inszeniert werden. Bei Content-Marketing-Events geht es, wie beim Content Marketing im Allgemeinen, nicht darum, Werbebotschaften unter das Publikum zu bringen, sondern nützliche Inhalte zu präsentieren.

Dazu ein Beispiel aus den USA und eines aus Deutschland:

Hubspot, Anbieter der gleichnamigen All-in-One-Webmarketing-Lösung, veranstaltet Ende des Monats in Boston die dreitägige Inbound 2012. Bei den über 60 Sessions und Key-Notes geht es fast nie um das Hubspot-Produkt, sondern immer um Lead-Generierung, Content Marketing, Suchmaschinen-Optimierung etc. Die Referenten gehören teilweise zu den Gurus ihres Faches, die jeweils führende Bücher zum Thema verfasst haben. Die Preisgestaltung ist dabei mit 499 Dollar für Hubspot-Kunden und 599 Dollar für Nicht Hubspot-Kunden sehr moderat. Für kürzere, weniger prominent besetzte Veranstaltungen zahlt man gerne auch dreifache Teilnehmerbeiträge. (Berichte von der Inbound gibt in Kürze hier zu lesen.) Insgesamt ist die Inbound eher eine Fortbildungs- und Netzwerkveranstaltung als ein Marketing-Event.

Auch wenn in den Vorträgen nicht für Hubspot getrommelt wird, wird das Unternehmen Gewinn machen: Für drei Tage wird die Konferenz zum Weltzentrum des Inbound-Marketings, das man natürlich mit Hubspot bestens betreiben kann. Hubspot positioniert sich durch das Kuratieren der Vorträge als absoluter Inbound-Experte mit den besten Kontakten zu den entscheidenden Vordenkern. Wer über Inbound-Marketing nachdenkt, wird automatisch über Hubspot nachdenken.

Auch die deutsche MAGMA GmbH, Aachen, Anbieter von Gießprozess-Simulations-Software, betreibt Live Content Marketing mit Veranstaltungen: Alle zwei Jahre richtet sie das Nicht-Eisen-Seminar und das Leichtmetall-Forum aus. Beide Konferenzen richten sich an Gießereien bzw. Gussteile-Abnehmer. Angesprochen werden sowohl potenzielle Kunden als auch bestehende Kunden (MAGMA macht einen wesentlichen Anteil seines Geschäfts mit bestehenden Kunden).

Auch auf den Foren und Seminaren geht es in den Vorträgen nur selten um das eigene Produkt MAGMA5, sondern hauptsächlich darum, Gieß- und Geschäftsprozesse mit der Gießprozess-Simulation zu optimieren. Zu Wort kommen dabei Praktiker aus Unternehmen und Experten aus Forschung und Technik, weniger die Vertreter von MAGMA selbst. Auch hier liegen die Vorteile des Konzepts auf der Hand: Die Teilnehmer erhalten von den Referenten wertvolle Hinweise, wie sie aktuelle Herausforderungen ihres Gießeralltags meistern können. Dass sie dabei wie selbstverständlich auch über MAGMA5 gesprochen wird, ist,klar. MAGMA selbst positioniert sich als großzügiger Gastgeber, der zuerst Wissen und dann erst sein eigenes Produkt anbietet.

Live Content Marketing vermittelt nicht nur Wissen, sondern schafft ein durchgängiges „Content-Erlebnis“ inklusive direkter, persönlicher Kontaktmöglichkeit. Seine Wirkung, an der richtigen Stelle im Vertriebszyklus eingesetzt, übertrifft die des „normalen“ Content Marketings bei Weitem.

Content Marketing vs. Corporate Publishing

Eine interessante Diskussion hat der Verband Forum Corporate Publishing jetzt geführt: Die Mitglieder stellten sich die Frage, ob man den Begriff Content Marketing in irgendeiner Weise in den Namen aufnehmen solle. Der britische Verband Association of Publishing Agencies hatte sich gerade in Content Marketing Association umbenannt und weitere Verbände in Europa haben bereits ähnliche Namensänderungen oder -erweiterungen durchgeführt oder beschlossen. Das Ergebnis der Diskussion in Deutschland: nein. Der Name “Forum Corporate Publishing” bleibt bestehen. Die Begründung: Man wolle nicht aktionistisch einen zwar diskussionswürdigen, aber etablierten Begriff gegen einen neuen, ebenfalls noch stark diskutierten Begriff austauschen. Das Für und Wieder ist hier ausführlich geschildert: Zurück auf CP.

Wie sich Corporate Publishing zu Content Marketing verhält, ist tatsächlich eine nicht leicht zu beantwortende Frage. Beim Corporate Publishing schwingt doch immer mehr oder weniger die Bedeutung “Kommunikation mit Unternehmenszeitschriften (und ihren Online-Ablegern)” mit, auch wenn man den Anspruch hat, medienunabhängig “journalistisch geprägte Unternehmenskommunikation” zu betreiben. Von diesem Gesichtspunkt her gehört Corporate Publishing, ähnlich wie Social Media Marketing, Suchmaschinen-Optimierung oder PR zum als Teildisziplin zum Content Marketing, das im weitesten Sinne nützliche statt werbende Inhalte einsetzt, um sie über alle sinnvolle Kanäle zu kommunizieren.

Content Marketing im Dienste des Ichs

Die FAZ schreibt über Ego-Content-Marketing: Bloggen und Twittern für die eigene Karriere

 

Was Suchmaschinen-Optimierung, Social Media Marketing und Inbound Marketing mit Content Marketing zu tun haben – und was nicht

Kürzlich schickte mir ein Kollege, der einen potenziellen Content-Marketing-Kunden aus dem Finanzbereich im Vertrieb berät, eine Mail: „Diese Angebote bekommt die Geschäftsleitung laufend und das klingt für die alles wie Content Marketing….“. In den Angeboten ging es um Social-Media- und Suchmaschinen-Marketing (inklusive einiger dubioser „Suchmaschinen-Betrugsmethoden” wie gefakte Empfehlungsportale).

SEO, Social Media, Inbound Marketing & Content MarketingWenn dem tatsächlich so ist, muss man doch immer mal wieder erklärende Worte verlieren und erläutern, was Content Marketing mit den ebenfalls buzzigen Begriffen Suchmaschinen-Optimierung, Social Media Marketing und Inbound Marketing zu tun hat.

Content Marketing ist die kommunikationsstrategische Entscheidung, potenzielle und existierende Kunden nicht mit Werbung zu traktieren, sondern mit Informationen, die ihnen weiterhelfen, mit Inhalten, die sie auf eine irgendeine Weise „glücklich“ machen und die sie deshalb schätzen und fesseln. Content Marketing heißt, in der Kommunikation zu agieren, wie ein Verlagshaus, das Leser gewinnt und hält.

Content Marketing hat nicht vordergründig die Absicht Suchmaschinen-Optimierung zu betreiben. Aber auch Inhalte wollen gefunden werden, weshalb sie auf die aktuellen Suchmaschinen-Algorithmen Rücksicht nehmen müssen (etwas Keywords an den richtigen Stellen).  Aber auch nicht zu sehr, da fesselnde Inhalte von alleine Suchmaschinen-wirksam sind (oder sein sollten).

SEO und Content MarketingUmgekehrt setzen Suchmaschinen-Optimierer immer mehr auf hochqualitative Inhalte, um die Suchmaschinen-Ergebnisse in ihrem Sinne zu beeinflussen. Hintergrund: Google richtet seine Algorithmen kontinuierlich auf diese Art von Inhalten aus.  Im Google-Blog heißt es fast wörtlich: „Konzentriere Dich auf die Produktion wertvoller Inhalte, dann wird Google sie schon finden und oben in den Ergebnislisten platzieren“. Wer also Content Marketing betreibt, muss ein paar Suchmaschinen-Regeln beachten, kann aber ansonsten viel Geld bei der Suchmaschinen-Optimierung sparen. Beim Content-Marketing gibt es sie umsonst.

Social Media Marketing kann Teil einer Content-Marketing-Strategie sein, muss es aber Social Media und Content Marketingnicht. Natürlich kommt man nicht umhin, sich im Rahmen des Social Media Marketings Gedanken über Inhalte zu machen, die als Postings auf Facebook, Twitter, Google+ usw. publiziert, den Dialog mit den Nutzern in Gang setzen sollen. Es ist langfristig sicher erfolgsversprechender, wenn dies nützliche Inhalte im Sinne des Content Marketings sind. Sie können jedoch auch rein werbend oder verkaufend sein – es gibt genügend Beispiele für Facebook-Seiten, die einfach als zusätzlicher Vertriebskanal genutzt werden.

Im Content Marketing dienen Social Media als Plattformen für Short-Form-Content, der die Aufgabe hat, Kunden und Interessenten in einen (Fach-) Dialog zu ziehen, oder auf Inhalte auf anderen Plattformen, etwa auf Website oder Blog, hinzuweisen.

Content Marketing und Inbound Marketing – also vereinfacht gesagt, das Einsammeln von Kontaktdaten durch interessante Tauschangebote – werden gerne als eng zusammengehörig bezeichnet. Das sind sie auch in der Regel, weil nützlicher Inhalt ideal als Tauschobjekt im Inbound Marketing  ist: “Hier hast Du Wissen, gibt mir dafür Deine Kontaktdaten”. Aber weder müssen Inhalte der Lead-Generation dienen, noch lassen sich Leads nur mit Inhalten generieren – das kann auch ein Geschenk, ein Gewinnspiel oder ein Preisrabatt sein.